Gartenbahn Nachrichten

Statt Betriebsruhe - Hochwassereinsatz

24.01.2018 11:17 von Matthias Hußmann
Die Rhein-Lahn Bahn steht komplett unter Wasser

Bei strahlender Oktobersonne verabschiedete die Rhein-Lahn-Bahn die Saison 2017 in die verdiente winterliche Betriebsruhe. Bevor die Gartenbahner mit der mobilen 5 Zoll Anlage auf Weihnachtsmärkten in Lahnstein und Weißenthurm für strahlende Kinderaugen sorgten, wurden im November schnell noch zwei Arbeitstage an Samstagen eingeschoben, um die Anlage für die Saison 2018 vorzubereiten. Schwerstes Gerät (ein Minibagger!) ersparte uns lange, harte Arbeitsstunden mit der Schaufel bei der Erweiterung der Strecke und der Gestaltung der Brückenrampe.

Das erste Januarwochenende 2018 stand ganz im Zeichen der Modellbahnbörse des MEC Rhein-Lahn e.V. Die H0-Modulanlage auf- und abbauen, Fragen beantworten, Gäste bewirten und 5-Zoll-Modelle vorstellen.

Doch dann: Von wegen Betriebsruhe auf unserem Gartenbahngelände. Der Dauerregen in weiten Teilen Deutschlands ließ die Flüsse Rhein und Mosel steigen und steigen. Bei einem Stand von 6 Metern beim Pegel Braubach, Tendenz steigend, stand fest, dass wir zum ersten Mal seit Bestehen der Gleisanlage Wasser auf dem Gelände haben würden. Glücklicherweise blieb uns Zeit: Mit nur 2 cm pro Stunde stieg das Wasser recht langsam. Trotzdem räumten wir ab 2. Januar schnellstens alle Lager- und Vereinsräume der Gartenbahn. Rasentraktor, Rasenmäher, alle Elektrogeräte wurden auf Anhänger geladen und in den Garagen der Vereinsmitglieder sicher vor dem Hochwasser untergestellt.

Um Schäden an Gleisen und Weichen durch Schlamm zu vermeiden wurden diese soweit wie möglich mit Folien und Planen abgedeckt. Auf diesen Planen sollte sich der Schlamm bei zurückgehendem Wasser absetzen und uns das Reinigen erleichtern. Wird er erst einmal trocken, hat er Eigenschaften wie Beton – und das etwa in Doppelkreuzweichen!

An den tiefsten Stellen unseres Geländes bildeten sich bald die ersten Pfützen. Der Leinpfad, der entlang des Geländes verläuft, war schon 80 cm hoch überflutet. Zwei Tage später standen bereits zwei Drittel der Gleisanlage unter Wasser, man konnte sie nicht mehr betreten. Drei Tage später war der höchste Wasserstand erreicht: 7,58 m am Pegel Braubach. Das bedeutet ca. 80 bis 90 cm Wasser über Schienenoberkante. Selbst im Aufenthaltsraum stand das Wasser 20 cm hoch. Zum Glück waren alle Elektrogeräte sicher untergestellt.

Zum besseren Verständnis unserer Gartenbahnanlage und ihrer Hochwasserlage sei angemerkt: Das Gelände befindet sich auf einem ehemaligen Sportplatz und weist ein Gefälle von ca. 40 cm auf einer Länge von 80 Meter und auch auf einer Breite von ca. 50 Meter auf.

Bei einem Pegelstand von 6,58 cm eine Woche nach dem Ausräumen konnten wir mit dem Reinigen des Aufenthaltsraums, der Dusche und der Toiletten beginnen. Die ersten Gleise tauchten dann am nächsten Tag aus den braunen Fluten wieder auf. Der Schlamm hatte sich gesetzt und wir konnten die Planen auf den ersten Teilstrecken vorsichtig in die Wiese abziehen ohne viel Schlamm im Gleisbett zurückzulassen. Großreinemachen war dann einen Tag später angesagt. Selbst unsere Mitglieder aus dem Ruhrpott reisten zum Helfen an - Bilder davon sind leider nicht auffindbar - Saubermachen war und ist aber wichtiger als jede Dokumentation der geleisteten Arbeit. Der Schlamm härtet schnell und lässt sich im feuchten Zustand leichter mit viel Wasser und Druck wegspülen. Am Samstagnachmittag waren alle Folien und Planen gereinigt, der Schlamm aus der Gleisanlage ausgespült. Das Wasser war aus dem Wasserturmkeller und der Drehscheibengrube vollständig abgelaufen.

Vater Rhein ist wieder in sein Bett zurückgekehrt. Ich hoffe es hat ihm nicht bei uns gefallen, und er kommt so schnell nicht wieder. Gemäß den Tabellen des Hochwassermeldezentrums war dies mit 7,58 m Höchststand das siebthöchste Hochwasser. Aus dem Jahr 1993 ist ein Höchststand von 9,13 m überliefert. Wir hoffen, dass solch ein Jahrhunderthochwasser nicht so schnell eintritt.

Das Kleinspielfeld, die Wiesen und Flächen vor dem Vereinsheim sind noch so aufgeweicht, dass ein Befahren zurzeit nicht möglich ist. Das Einräumen der Lagerräume muss noch etwas warten. Aber der Aufenthaltsraum kann wieder genutzt werden und die Kaffeemaschine ist auch wieder in Betrieb. Wir hoffen, dass der Fahrbetrieb wie geplant am 2. Wochenende im April (14. und 15. April) aufgenommen werden kann. Wir tun alles Mögliche und auch Unmögliches um den Termin zu halten und freuen uns nämlich heute schon auf die Besucher.

Galerie Hochwassereinsatz 2018

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